Montag, 13. August 2012

Eine Woche Hanna.

Hanna ist nun schon gut eine Woche bei uns. Und ich glaube, sie ist auch schon ein wenig angekommen. Natürlich beschnuppern wir uns weiter. Wir finden auch immer mehr übereinander heraus. Aber fremd haben wir uns nie miteinander gefühlt. Nun gut, heute morgen war es schon ein wenig komisch:

Der Mann war schon auf. Der Rest der Familie tat sich noch schwer mit dem Aufwachen. Als ich langsam die Treppe herunter torkelte, hörte ich den Mann in der Küche hantieren. Ich schlurfte also in seine Richtung. Als er meine Schritte vernahm, sprang er mit einem schmetternden "Guten Morgen!!!!" um die Ecke, nur um noch im selben Atemzug "Ach, Du bist es...." zu sagen und sich wieder hinzusetzen. Aber ich denke, in ein paar Tagen ist auch er wieder beim "Mmmmmmmnnn" als Morgengruß angekommen.

Ist es denn nun lauter bei uns geworden? Unruhiger? Chaotischer? Nö.

Hanna ist ein sehr angenehmes Familienmitglied. Laut ist sie eigentlich nur, wenn sie lacht. Oder wenn sie ihre Zimmertür zumacht. Aber die geht anders auch nicht zu - ist ja ein altes Haus. Unruhig ist sie eigentlich nur, wenn sie mal wieder eine Idee hat und diese teilen möchte. Chaotisch ist sie eigentlich nur in ihrem eigenen Zimmer.

Und Hanna hat die tollsten Hobbies. Zum einen schreibt sie gern. Kurzgeschichten. Bücher. Brillantes Zeugs. Sie hat uns einiges vorgelesen und uns blieb der Mund offen stehen. Wie kann ein so junges Mädchen schon so schreiben?

Und sie verbringt viel Zeit im Keller. Ja, im Keller. Als ich das erste Video-Telefonat mit ihren Eltern führte und gefragt wurde: "Naaaaa, wie ist es denn so mit einer 15-jährigen Tochter?", antwortete ich nur: "Ach, Hanna ist sehr pflegeleicht. Sie sitzt ja sowieso die meiste Zeit im Keller." Hannas Mutter entgleisten die Gesichtszüge und sie stieß ihrem neben ihr sitzenden Mann mit dem Ellenbogen in die Rippen. "Was hat sie gesagt?" Und er antwortete langsam: "Ich glaube, sie hat gesagt, dass Hanna die meiste Zeit im Keller sitzt." Und fügte beschwichtigend hinzu: "Ihr Keller ist aber sehr schön, ich habe ihn gesehen!"

Und es stimmt. Hanna liebt unseren Keller. Sie sitzt stundenlang da unten auf unserem ausrangierten Biedermeiersofa und.... schnitzt. Andere Teenager hätten vermutlich andere Dinge in ihrem Koffer gehabt, Hanna aber hatte Holz dabei. Und ein norwegisches Schnitzmesser. Und da sitzt sie nun und schnitzt eine Schachfigur nach der anderen. Die Bauern hat sie schon fast beisammen.

Ob Hannas jugendlicher Kreativität haben wir uns zuerst ganz alt und vertrocknet gefühlt. Nicht dass wir nicht auch kreativ und voller Ideen wären. Wir lassen uns aber oft so sehr vom Alltag ablenken, dass wir tolle Ideen einfach unter den Tisch fallen lassen. Aber wir waren uns einig: Wir krabbeln unter den Tisch und sammeln sie wieder auf. Wir lassen uns einfach anstecken! Und wir freuen uns schon darauf.

Schön, dass Hanna da ist.

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